Glossar

Glossar

Das Glossar nennt häufig gebrauchte Fachbegriffe und soll dem Wirrwarr falsch angewendeter Begriffe entgegenwirken. Das Glossar gliedert sich in sechs Abschnitte.


Der öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige kennt die Normen, ihre Aktualität und ihren Stellenwert im jeweiligen zu prüfenden Einzelfall. Die im Möbel- und Küchenbau zur Anwendung kommenden deutschen und europäischen DIN EN RAL Normen umfassen inzwischen Tausende von einzelnen Paragraphen und füllen mittlerweile mehrere Meter im Bücherregal. Manche Normen sind nicht mehr als Buchform erhältlich, sondern wegen des Umfanges und der Aktualität wegen nur noch als CD. Technische Prozesse sind im stetigen Fluss der Entwicklung. Die sorgfältige Anwendung und Beachtung fachlicher Regeln erfordert langjähriges Praxiswissen. Dieses Glossar soll dem interessierten Leser nur einen Anriss von der Komplexität der gestellten Anforderungen aufzeigen.

1. Auszug aus dem Normenkatalog DIN EN RAL in gekürzter und vereinfachter Form

DIN 18011 Stellflächen, Abstände und Bewegungsflächen im Wohnungsbau
DIN 18022 Küchen im Gebäudeentwurf
DIN 18025 Barrierefreie Wohnungen im Gebäudeentwurf
DIN 66354 Kücheneinrichtungen, Formen und Planungsgrundsätze
DIN 18802 Toleranzen im Hochbau, Bauwerke
DIN EN 1116 Koordinationsmaße Küchenmöbel und Geräte
DIN 18355 ATV Tischlerarbeiten für individuell geplante Einrichtungen
DIN 68871 Möbelbezeichnungen
DIN 68601 Holz-Klebeverbindungen; Begriffe,
DIN EN 309 Spanplatten; Definition und Klassifizierung
DIN EN 312 Spanplatten Anforderungen einschl. Möbel
DIN EN 313 Sperrholz; Klassifizierung und Terminologie
DIN EN 322 Holzwerkstoffe; Bestimmung des Feuchtegehaltes
DIN EN 324 Holzwerkstoff; Bestimmung der Plattenmaße
E DIN EN 438 Dekorative Hochdruck-Schichtstoffpreßplatten (HPL)
DIN EN 695 Küchenspülen; Anschlußmaße
DIN EN 923 Klebestoffe; Benennung und Definition
DIN EN 942 Holz in Tischlerarbeiten; Klassifizierung der Holzqualität
DIN EN 1153 Küchenmöbel; Sicherheitstechnische Anforderungen
und Prüfverfahren für einbaute und freistehende Küchenschränke
und Arbeitsplatten
DIN EN ISO 2409 Lacke und Anstrichstoffe, Gitterschnittprüfung
DIN ISO 2768 Allgemeintoleranzen für Längen- und Winkelmaße
DIN 4076 Benennungen und Kurzzeichen auf dem Holzgebiet
E DIN ISO 4211 Oberflächenprüfungen
DIN EN 12775 Massivholzplatten Terminologie
DIN EN 13017 Massivholzplatten Klassifizierung der Oberfläche
E DIN EN 13353 Massivholzplatten Verwendung
E DIN EN 13354 Massivholzplatten Verklebung
E DIN EN 13721 Oberflächenglanzgrad
E DIN EN 13722 Oberflächenreflektionsgrad
DIN EN 14279 Furnierschichtholz
DIN 66050 Gebrauchstauglichkeit; Begriff
DIN 68751 Kunststoffbeschichtete dekorative Holzfaserplatten
DIN 68765 Spanplatten kunststoffbeschichtete dekorative Flachpreßplatten
DIN 68840 Schrankaufhänger
DIN 68841 Klappenhalter
DIN 68852 Möbelschlösser
DIN 68856 Begriffe für Möbelbeschläge
DIN 68857 Topfscharniere
DIN 68858 Auszugführungen
DIN 68859 Rollenbeschläge für Schiebetüren
DIN 68861 Möbeloberflächen
DIN 68874 Möbel-Einlegeböden und Bodenträger
DIN 68881 Begriffe für Küchenmöbel; Küchenschränke
DIN 68889 Möbel-Schubkästen
DIN 68930 Küchenmöbel
DIN EN ISO 3385 Bestimmung der Ermüdung durch konstante Stoßbelastung
DIN EN 204 Beurteilung von Klebstoffen für nichttragende Bauteile
DIN EN 317 Spanplatten Bestimmung der Dickenquellung
DIN EN 1087 Spanplatten Bestimmung der Feuchtebeständigkeit
DIN EN 12720 Beständigkeit von Oberflächen gegen kalte Flüssigkeiten
DIN EN 12721 Beständigkeit von Oberflächen gegen feuchte Hitze
DIN EN 12722 Beständigkeit von Oberflächen gegen trockene Hitze
AMK Richtlinien für Einbau von Spülen und Geräten
LGA Richtlinie 33002.0 Spiegelklebebänder im Möbelbau
LGA Richtlinie 33006.0 Möbeleckverbindungen, statische und
dynamische Belastungen
LGA Richtlinie 33010.0 Temperatur und Feuchtebeständigkeit im Wechselklima
LGA Richtlinie 33029.0 Kanten thermische Belastung
RAL 430 Küchen- und Badmöbel

Abkürzungen:
DIN Deutsches Institut für Normung e.V.
E Entwurf
EN Europäische Norm
ISO International Organization for Standardization
LGA Richtlinien der Landesgewerbeanstalt Bayern Möbelprüfung
RAL Deutsches Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung
UNI Italienische Norm
ZH Richtlinien des Hauptverbandes der gewerblichen Berufsgenossenschaften

2. Chemische Grundlagen in gekürzter und vereinfachter Form

Formaldehyd E1 ist die gesetzlich festgelegte Kennzeichnung für formaldehydarme Werkstoffe mit einem vorgegebenen Grenzwert von max. 0,1 ppm Formaldehydabgabe an die Raumluft.

Acryl besteht aus Polymethylmethacrylat. Harter Kunststoff mit einer hohen Dichte, lichtbeständig, sehr stoßfest, thermisch verformbar und gegen alle gebräuchliche Chemikalien beständig. Plexiglas als Möbeloberfläche ist thermisch verformbar, hat aber ausgeprägt duroplastischen Charakter.

ABS besteht aus Acrylnitril-Butadien-Styrol. Stabiler und bis 80 C temperaturbeständiger Kunststoff, der überwiegend als Kantenmaterial eingesetzt wird

PUR oder PU (Polyurethan)-Lack, sog. DD-Lack: ist ein 2-Komponenten-Polyurethanlack bestehend aus Desmodur (Zusatzlack oder Härter) und Desmophen (Stammlack) (Markennamen). Zunehmend auch als Farblacke von Bedeutung für Hochglanzoberflächen. Ideal auch auf MDF Trägerplatten mit hoher Sicherheit gegen Rissbildung.

CN-Lack entsteht aus nitrierter (Schieß)baumwolle. Gegenüber chemischer und mechanischer Beanspruchung wenig belastbar. Starke Neigung zum Vergilben. Leicht in der Verarbeitung. Heute angesichts zunehmenden Umweltbewußtseins wegen der Lösemittel nur noch von geringer Bedeutung als Mattfinish auf geschliffenen Polyesteroberflächen, als Primer auf UV-Grundlacken.

Alkydharz Lacke sind ölmodifizierte, vernetzte Polyester, kondensierte Duroplaste. Klimabeständig und dauerelastisch. Im Küchenmöbelbau nur als Beimischung zu SH-Lack.

Epoxyharz-Lack ist korrosionsfest gegen chemische und physikalische Belastungen. Anwendung im Zusammenhang mit der Elektronenstrahlhärtung (ESH) und als Epoxyacrylate für die UV-Härtung.

SH (säurehärtender)-Lack und SHE (säurehärtender Einkomponenten)-Lack: Basis ist Harnstoff, auch derjenigen mit Wasser als Verdünnung. Spalten in geringem Maße (unter 0,1 ppm) Formaldehyd ab. Typische 2-Komponenten- Lacke. Als SHE Verwendung in Verbindung mit PVC Produkten. Reinmelamin-SH-Lack liefert außerordentlich hochwertige Überzüge. Für die chemische Reaktion sind hohe Temperaturen notwendig, Einbrennlackierung.

UP (ungesättigter Polyester )-Lack und UV-UP (lichtsensibler)-Lack Ester entstehen beim chemischen Umsatz von Alkohol und organischer Säure, die zu einer Verbindung unter Austritt von Wasser kondensieren. UP-Lacke werden in erster Linie als Dickschichtlacke verarbeitet und durch Feinschleifen und Schwabbeln abgetragen und zu Hochglanz geführt.

Melamin hergestellt aus organischer Kalkstickstoffverbindungen in Benzolringform C3N3(H2N)3. Nahezu lichtechter, lebensmittelneutraler und geruchloser Kunststoff, der in reiner Form als Kantenmaterial und als Overlay bei HPL / CPL Laminaten bei Arbeitsplatten eingesetzt wird. Verwendung meistens in Verbindung mit Papierfolien als dekorative Oberflächen von Küchenmöbelfronten.

KUF ist die Bezeichnung für Harnstoff-Formaldehydharze. Harnstoff ist eine organische Verbindung, die erstmals von Wöhler bereits 1828 aus Ammoniumcyanat gelang. Wirtschaftlich wichtiger Grundstoff für Kleber.

KPF ist die Bezeichnung für Phenol-Formaldehydharze.

PVC Polyvinylchlorid weichmacherhaltiger Kunststoff, der bei Alterung schrumpft. Bei Feuereinwirkung entstehen giftige Rauchgase. Bei Löschwasseranwendung Salzsäure. Im Küchenmöbelbau angesichts von verstärktem Umweltbewußtsein nur noch wenig eingesetzt und zugunsten von Melaminharzprodukten ersetzt.

PVA Polyvinylacetat ist der heute übliche Weißleim im Tischlerhandwerk. Transparent auftrocknend.

Duroplaste Sammelbegriff für alle härtbaren Kunststoffe, die bei bestimmten Temperaturen und / oder Zugabe von Katalysatoren, meist unter Druck, irreversibel vernetzen und damit in unlöslichen Zustand übergehen. Typisches Beispiel sind die Oberflächen von kunststoffbeschichteten Küchenarbeitsplatten.

Thermoplaste verwandeln sich mit steigenden Temperaturen von fest nach flüssig, reversibel bei Abkühlung, ständig wiederholbar. Es findet keine chemische Reaktion statt. Typisches Beispiel bei Küchenmöbeln sogenannte Folienfronten.

Lösemittel im Sinne der Lack- und Klebchemie bezeichnen organische Flüssigkeiten, die andere feste, flüssige oder gasförmige Stoffe auflösen und in eine homogene Mischung führen.

Lösungsmittelbeizen sog. Spiritusbeizen sind in der Regel nicht mit Wasser verdünnbar. Die Lösungsmittelanteile liegen bei 90 %. Hohe Lösemittelanteile wie Benzin, Ester und Aromate sind trotz geringer Auftragmengen umweltbelastend. Zunehmend Verwendung von äthylalkohol.

Bleichbeizen eine Kombination von Bleichmitteln (Wasserstoffperoxyd) mit Farbstoffen ergibt Bleichbeizen. Rein weiße Hölzer werden nur gebleicht, farbige Hölzer im gleich Arbeitsgang wieder aufgefärbt. Gebleichtes oder im Naturton bleichgebeiztes Holz ist lichtechter.

Einkomponenten-Positivbeizen die mit Schwermetallsalzen belasteten chemischen Doppelbeizen (Vor- und Nachbeize) sind inzwischen durch unbedenklichere Einkomponenten Positivbeizen ersetzt worden. Sie werden nur einmal aufgetragen. Dabei erscheinen die harten Jahresringe dunkler, die weichen bleiben heller. Es entsteht ein positives Beizbild, so dass sich die chemische Beize besonders für Weichholz eignet.

3. Grundlagen der Messtechnik

Messen ist der experimentelle Vorgang, durch den ein spezieller Wert einer physikalischen Größe als Vielfaches einer Einheit oder eines Bezugswertes ermittelt wird.

Messgröße ist die physikalische Größe, der die Messung gilt z.B. Kraft, Druck, Länge.

Messwert ist der gemessene Wert einer Messgröße. Es wird als das Produkt aus Zahlenwert und Einheit angegeben, z.B. 3 m.

Messabweichung ist die Differenz zwischen dem Messwert und einem Bezugswert.

Einflussgrößen sind physikalische Größen, die nicht Gegenstand der Messungen sind, die aber ungewollt Abweichungen der gewonnenen Messwerte bewirken, z.B. Raumtemperatur, Raumfeuchte, Magnetismus oder Luftdruck.

Toleriertes Maß ist die zulässige und geringfügige Abweichung vom Idealmaß. Die Extremwerte sind das Größtmaß und das Kleinstmaß. Die jeweiligen Abweichungen nach oben oder unten werden oberes Abmaß und unteres Abmaß genannt.

Maßtoleranzen sind zulässige Abweichungen vom Nennmaß zum Istmaß.

4. Abgrenzungen von Begriffen aus Normen und Technik in gekürzter und vereinfachter Form

Stand der Technik ist der Entwicklungsstand fortschrittlicher Verfahren, nämlich der "Speerspitze" der technischen Entwicklung, die üblicherweise zwar noch nicht in die tägliche Produktion eingeflossen ist, aber zugleich Einrichtungen oder Betriebsweisen sind, die die praktische Eignung einer Maßnahme gesichert erscheinen lassen. Bei der Bestimmung des Standes der Technik sind insbesondere vergleichbare Verfahren, Einrichtungen oder Betriebsweisen heranzuziehen, die mit Erfolg erprobt worden sind.

Allgemein anerkannte Regeln der Technik entwickeln sich aus einer "Regel der Technik". Sie entstehen, wenn Einwände gegen eine erarbeitete Regel keine Mehrheit finden. Sie entsteht ferner, wenn Ergänzungs- oder änderungsvorschläge zu einer Regel in deren Neufassung berücksichtigt werden und die Mehrzahl der Fachleute, die diese Regel anwenden, von ihrer Richtigkeit überzeugt ist. Allgemein anerkannte Regeln der Technik setzen demnach voraus, dass die Mehrzahl der Fachleute, die sie anwenden, davon überzeugt ist, dass die Regeln den Anforderungen entsprechen. Die Regeln müssen in der Praxis erprobt sein und sich allgemein bewährt haben. Es genügt nicht, dass nur im Fachschrifttum die Ansicht oder an Fachschulen die Lehrmeinung vertreten wird, eine bestimmte Regel entspreche den technischen Erfordernissen.

Regeln der Technik sind solche Regeln, die von einem Kreis von Fachleuten zu einem bestimmten Gebiet erarbeitet und als Beurteilungsmaßstab vorgeschlagen worden sind. Solche Regeln der Technik müssen sich erst einmal einer öffentlichen Fachdiskussion stellen, also eine Bewährungsprobe überstehen. Sie müssen sich Einwände und Kritik aus Fachkreisen gefallen lassen. Sie sind der erste Schritt auf dem Weg zu einer "anerkannten Regel der Technik". Regeln der Technik sind noch nichts Endgültiges. Sie sind Vorläufer.

Normen sind weder Gesetz oder Verordnung noch Unfallverhütungsvorschrift. Sie werden von "privaten" Normensetzern erarbeitet und veröffentlicht. Normen sind z.B. DIN-Normen des Deutschen Institutes für Normen. Zu den allgemein anerkannten Regeln der Technik zählen z.B. DIN Normen, EN Normen, RAL Normen, VDE Bestimmungen, VDI Richtlinien. Es gibt auch einzelne anerkannte Regeln der Technik, die unter Fachleuten nur mündlich überliefert sind. Die Unterschreitung des in den Normen festgelegten Mindeststandards begründet regelmäßig die Fehlerhaftigkeit des Produkts.

Richtlinien sind eine Verwaltungsvorschrift, die dazu dient, Organisation und Handeln der Verwaltung näher zu bestimmen. Sie regelt die Beschaffenheit von Einrichtungen, Arbeitsverfahren, Arbeitsstoffen, für die es noch keine Verhütungsvorschrift gibt. Sie sollte unbedingt befolgt werden, sofern sie die allgemein anerkannte sicherheitstechnische Regel aufgenommen hat.

Prinzipien enthalten allgemeine Festlegungen und Angaben, die unbedingt einzuhalten sind sowie Anforderungen und Rechenmodelle, für die keine Abweichungen erlaubt sind, sofern das nicht ausdrücklich angegeben ist.

Anwendungsregeln sind allgemein anerkannte Regeln, die dem Prinzip folgen und deren Anforderungen erfüllen. Abweichende Anwendungsregeln sind zulässig, wenn sie mit den maßgebenden Prinzipien übereinstimmen und bezüglich der nach dieser Norm erzielten Tragfähigkeit, Gebrauchstauglichkeit und Dauerhaftigkeit zumindest gleichwertig sind.

Unterscheidungen im Grad von Aussagenverbindlichkeiten gelten für die Regeln für die Abfassung europäischer Normen und sind unter dem Begriff PNE-Regeln festgelegt. Anforderung: "muß", "darf nicht"; Empfehlung: "sollte"; Erlaubnis: "darf", "braucht nicht.....zu"; Möglichkeit: "kann".

Instandhaltung ist ein übergeordneter Begriff, der technische und administrative Maßnahmen zur Erhaltung der Funktion beschreibt mit folgender Untergliederung:
Wartung: sind Maßnahmen zur Verzögerung der Abnutzung.
Inspektion: ist die Feststellung des Ist-Zustandes.
Instandsetzung: ist die Rückführung in einen funktionsfähigen Zustand.
Verbesserung: ist die Modernisierung.

5. Abgrenzungen Begriffe der Werkstoffkunde in gekürzter und vereinfachter Form

Furnier ist nach DIN 68330 definiert als dünne Blätter aus Holz in Dicken bis 8 mm hergestellt.

Tischlerplatte ist eine Mehrschichtplatte mit Mittellage aus nebeneinanderstehenden Holzleisten oder besser hochkantigen Stäbchen mit stehenden Jahresringen, hergestellt aus dickem Schälfurnier. Außenlagen beide Sichtseiten Furnier. Alle Lagen sind kreuzweise aufeinandergeleimt.

3-Schicht Spanplatte aus speziell erstellten Spänen aus Holz, die entstaubt, sortiert und mit Kunstharzen versetzt, in Plattenform aufgeschüttet und unter Druck und Wärme verpreßt werden. Die 3-Schicht Spanplatte besteht aus 2 fein gespanten Deckschichten und einer grob gespanten Mittelschicht. Oben und unten befinden sich die druck- und zugbelastbaren Zonen, während die grobe Mittelschicht als Abstandhalter der Deckschichten dient.

MDF (medium density fiberboard) ist eine aus Dampfdruck erweichten und mit Leim angereicherten Holzfasern hergestellte, mitteldichte Faserplatte mit einem nahezu homogenen Aufbau, bzw. 3schichtig mit DS Deckschichten und MS Mittelschicht. Gewicht 850 kg / m³.

HDF (high density fiberboard) ist eine hochdichte Faserplatte, das hohen Ansprüchen gerecht wird. Gewicht 900 kg / m³.

KF direkt kunststoffbeschichtete dekorative Flachpreßplatte besteht aus einer höherverdichteten, mehrschichtigen Spanplatte und dekorativen, kunstharzgetränkten Deckschichten. Die Direktbeschichtung erfolgt trocken ohne weiteren Leimzusatz, sondern nur durch Heißhärten mit Druck und Wärme.

KH bezeichnet eine kunststoffbeschichtete dekorative Flachpreßplatte. Die Dekorschicht HPL / CPL oder melaminharzbeschichtetes Papier wurde mittels Leim aufgebracht.

Laminat ist ein aus Papierbahnen und mit Kunstharzen versetzter, in Form gebrachter und mit dekorativen Melaminharz-Deckschichten vergüteter Werkstoff

HPL / CPL (decorative high pressure laminates, bzw. continuous pressure laminates) werden aus Schichten von Faserstoffbahnen imprägniert mit Phenolharzen und melaminharzbeschichteten dekorativen Papierbahnen und bei Arbeitsplatten einem zusätzlichen overlay mit Reinmelamin beharzt. Verpressung entweder in Etagenpressen bzw. mit Walzen im Endlosverfahren bei hoher Temperatur und Druck hergestellt.

Grundierfolie ist die Handelsbezeichnung für Folienbeschichtung unterschiedlicher Zusammensetzung, die das direkte Lackieren ohne Schleifen ermöglicht.

Massivholz (Vollholz) darf nur nebeneinander verleimt sein. Kein Richtungswechsel.

Echtholz liegt immer dann vor bei verleimtem Richtungswechsel z.B. bei der 3-Schichtplatte, Sperrholz, Furnier auf Massiv. Mehrschichtige Holzplatten sind definitionsgemäß kein Massivholz, sondern dürfen nur als Echtholz bezeichnet werden.

V 20 Qualitätsbezeichnung für Bau-Flachpreßplatte Spanplatte und MDF gebunden mit Harnstoff-Formaldehydharz für Einsatz in Räumen mit Normalklima. Nicht wetterbeständig. Gewicht 600 bis 680 kg / m³.

V100 Qualitätsbezeichnung für Bau-Flachpreßplatte Spanplatte und MDF Verleimung beständig gegen hohe Luftfeuchtigkeit gebunden mit Phenol-Formaldehydharz. Bedingt wetterbeständig. Die Wetterbeständigkeit heißt nicht Wasserfestigkeit.

E1, E2, E3 Klassifizierung zulässiger Formaldehyd Emission. E1 toleriert bis 0,1 ppm (parts per million = 1 ml / m³), E2 0,1 < 1,0 ppm, E3 1,0 < 2,3 ppm. In Deutschland kommen ausschließlich Produkte der Klasse E1 zum Einsatz. Im Angebot sind, neben harnstoffgebundenen E1 Typen auch völlig formaldehydfreie Sorten, die Phenol oder Isocyanat als Bindemittel enthalten. Phenole härten zwar auch mit Formaldehyd, setzen dieses aber nach der Reaktion nicht mehr frei.

D1 - D4 (früher B1 - B4) Qualitätsbezeichnung für Verleimung. D im Rahmen der EN. D1 Klebung beständig in geschlossenen Räumen mit im allgemeinen niedriger Luftfeuchtigkeit; D2 Klebung beständig in geschlossenen Räumen mit kurzzeitig hoher und wechselnder Luftfeuchte und gelegentlicher kurzzeitiger Wassereinwirkung; D3 Klebung beständig gegen Klimaeinflüsse in einem gemäßigten Klimagebiet (Küchen- und Badmöbel, Massivholzarbeitsplatten); D4 Klebung beständig gegen Klimaeinflüsse in einem Klimagebiet mit gemäßigtem Klima unter besonders ungünstigen Bedingungen (Küchenmöbel für Export in Übersee oder europ. Inseln mit Nebel).

Granit wird häufig als Sammelbegriff für nicht Kalkstein basierende Natursteine verwendet. Vielfach handelt es sich aber um Gneis, Syenit, Quarzit, Metamorphit Schiefer, Porphyr und Basalte. Alle Natursteine haben unterschiedliche Eigenschaften in der Härte und in der Saugfähigkeit. Durch Kapillarität dringen Feuchtigkeit und Fette in den Naturstein ein und führen zu Verfärbungen, die nur schwer zu entfernen sind. Der fehlerfreie Gebrauch von Natursteinen erfordert die regelmäßige und dauernde Anwendung einer Imprägnierung.

Kunststeine basieren auf einer Mineralstofffüllung mit einem Bindemittel. Üblicherweise wird als Bindemittel Acryl verwendet. Unterschieden werden Werkstoffe mit einem hohen Acrylanteil von 25 % und solchen Werkstoffen mit einem Anteil von 2 % Bindemittel, die in ihrer Verarbeitung und Pflege Natursteinen ähneln.

Glas wird unterschieden in Klarglas, das ist das übliche Fensterglas mit einem leicht grünlichem Schimmer und Weissglas, auch als Spiegelglas bezeichnet, das von der Schnittkante her betrachtet neutral wirkt. Beide Glasarten werden als ESG Einscheibensicherheitsglas (Krümelglas) oder als VSG Verbundsicherheitsglas mit einer Folienverbindung für Küchenarbeitsplatten, Nischenrückwände und Möbeltüren verwendet.

6. Abgrenzungen werttheoretischer und kaufmännischer Begriffe in gekürzter und vereinfachter Form

Warenkennzeichnung ist die Bestätigung durch Bild oder Schriftzeichen, dass eine Ware bestimmten, in Regeln niedergelegten nachprüfbaren Anforderungen genügt, z.B. Gütezeichen Deutsche Gütegemeinschaft Möbel.

Handelsüblichkeit ist das, was sich im Handelsverkehr aufgrund der überzeugenden Kraft seiner Richtigkeit und Zweckmäßigkeit als ein allgemein befolgtes Handeln oder Unterlassen bei mehr als 70 % der Anbieter herausgebildet hat.

Mittlere Art und Güte ist die Herstellung nach anerkannten technischen Regeln und bewirken ein Möbel in mittlerer Art und Güte, d.h. in durchschnittlicher Ausführungsqualität, das im Handel bei mehr als 70 % des Marktes sich herausgebildet hat. Kein Billigprodukt, aber auch kein handwerkliches Einzelstück in meisterlicher Qualität. Bedingung ist, dass es gebrauchstauglich und normal widerstandsfähig sein muss.

Übliche Gebrauchslage entspricht der sichtbaren fertigen Fläche. Hierbei handelt es sich nicht um Flächen, die vom menschlichen Auge nicht einsichtig sind, weil sie zu hoch oder zu tief angelegt sind.

Zeitwert ist ein Begriff aus der Bewertungstheorie und nur eine kalkulatorische Größe. Der Wert einschließlich der Liefer- und Aufstellkosten unter Berücksichtigung des technischen Verschleißes durch Zeiteinfluß und Berücksichtigung von Zu- oder Abschlägen für gute oder schlechte Pflege. Ohne Berücksichtigung von Markteinflüssen und deren Berücksichtigung für Aktualität, Mode, Trend und Angebotsüberhängen am Markt.

Verkehrswert ist der bei einer Veräußerung voraussichtlich erzielbare Verkaufspreis, unter Berücksichtigung besonderer Umstände.

Nutzungswert beschreibt eine Variante des Verkehrswertes. Hierbei wird nicht der freihändige Verkauf eines Möbels bewertet, sondern das Möbel (Einbauküche, Einbauschränke, Ladeneinrichtung usw) verbleibt eingebaut vor Ort.Nutzungswert beschreibt eine Variante des Verkehrswertes. Hierbei wird nicht der freihändige Verkauf eines Möbels bewertet, sondern das Möbel (Einbauküche, Einbauschränke, Ladeneinrichtung usw) verbleibt eingebaut vor Ort.

Neuwert entspricht den Kosten der damaligen Beschaffung am Tag der Nutzungsaufnahme.

Neupreis / Wiederbeschaffungswert sind die Kosten, die heute aufgewendet werden müssen, um ein Wirtschaftsgut gleicher Art und Güte zu beschaffen.

Gemeiner Wert ist der bei einer Veräußerung voraussichtlich erzielbare Verkaufspreis, ohne Berücksichtigung besonderer Umstände. Technischer und wirtschaftlicher Verschleiß werden berücksichtigt.

Der Begriff „Mangel“ ist ein rein juristischer Begriff. Das wird häufig übersehen, denn der Sachverständige verwendet immer nur korrekt die Begriffe „fehlerfrei“ und „fehlerhaft“.

Zuerst ist die Mangelbehauptung da. Dann trifft der Sachverständige Feststellungen an der Sache und misst und beschreibt die Ist-Abweichung vom Soll-Zustand. Aber nicht jede Abweichung ist zwangsläufig ein Fehler, denn das regeln die Normen mit den zulässigen Toleranzen und die anerkannten Regeln der Technik und des Handwerks.

Nach § 633 BGB ist eine Leistung oder Sache mangelhaft, wenn das Werk nicht frei von Sach- und Rechtsmängeln ist. Der Auftragnehmer (Verkäufer) hat dem Auftraggeber (Käufer) die Leistung oder die Sache zum Zeitpunkt der Abnahme frei von Sachmängeln zu verschaffen. Das ist dann gegeben, wenn die Sache sich für die gewöhnliche Verwendung eignet und eine Beschaffenheit hat, die bei Werken der gleichen Art üblich ist und die der Käufer auch erwarten kann und dass die anerkannten Regeln der Technik eingehalten werden.

Ein Mangel an einer Sache kann aber auch dann vorliegen, wenn die Sache an sich technisch fehlerfrei hergestellt und fehlerfrei eingebaut ist. Ein solcher Fall wäre dann gegeben, wenn der Verkäufer der Sache eine besondere Eigenschaft zugesichert hat, z.B. dass die Kücheneinrichtung wartungsfrei ist. Nun stellt sich aber heraus, dass die Arbeitsplatten aus Massivholz oder Naturstein regelmäßig mit einer Imprägnierung behandelt werden müssen, die über das Maß der üblichen Unterhaltspflege hinausgeht. Dann kann juristisch bereits von einem Mangel gesprochen werden, weil eine vertraglich zugesicherte Eigenschaft fehlt.

Schwierig wird es immer dann, wenn die objektiven Maßstäbe der Normen mit ihren Toleranzen als Erkenntnisquelle nicht genutzt werden können. So ein Fall ist denkbar, wenn die Normen veraltet sind oder es sich um Werkstoffe handelt, die in den Normen noch nicht beschrieben sind. Dieser Fall tritt bei modernen Küchen immer häufiger auf. In solchen Fällen muss der Sachverständige subjektiv einen begründeten Vorschlag für den Soll-Zustand machen. Denn ohne definierten Soll-Zustand kann keine Ist-Abweichung festgestellt und bewertet werden.

Über den Umstand hinaus, dass möglicherweise keine oder veraltete Normen vorliegen, gibt es immer wieder Schwierigkeiten, verbindliche Bewertungsregeln für technische oder optische Unregelmäßigkeiten zu definieren. In der Fachliteratur hat sich daher ein Komplex herausgebildet, der von „hinzunehmenden Unregelmäßigkeiten“ spricht. Durch ein mathematisches Verfahren wird mittels der Nutzwertanalyse und der Zielbaummethode eine Abweichung beschrieben, die dann auch monetär bewertet werden kann. (VDMS Verband Deutscher Möbelsachverständiger e.V., Sachverständigentag Wiesenbronn 2008, Peter Schirmann: Minderungsberechnung von hinzunehmenden Unregelmäßigkeiten an Möbeln mit der Nutzwertanalyse und Ziel¬baummethode).

Eine Minderwertberechnung mittels der Nutzwertanalyse und der Zielbaummethode ist dann unzulässig, wenn sicherheitsrelevante Aspekte an der zu begutachtenden Sache festgestellt wurden. Sicherheitsrelevante Mängel sind immer abzustellen, ggf. ungeachtet der Reparaturkosten, auch wenn diese sogar den Wert der Sache übersteigen.